
Die Natur lädt mich ein, ihrem Beispiel zu folgen und ein wenig auszuruhen.
Ich fühle mich mit hineingenommen in einen Jahreslauf, der Pausen macht und nicht ständig in voller Pracht stehen muss.

Manchmal schwingt auch ein wenig Traurigkeit mit, denn mir wird bewusst, dass alles auf dieser Welt endlich ist und Abschied nehmen zum Leben dazugehört. Ich halte inne, lasse mich auf diese Tage ein und versuche, nicht in die Geschäftigkeit des Alltags oder in die Sonne des Südens zu flüchten.
Ich darf mich ausruhen, weil ich eben nicht für die Vollendung der Welt verantwortlich bin.
Ein Spaziergang in der herbstlichen Natur ist eine Art des „Ausruhens“ für mich. Dabei habe ich etwas entdeckt, von dem ich denke, dass Gott mich auf etwas hinweisen möchte.
Haben Sie schon einmal bemerkt, was unter dem Herbstlaub an den Zweigen ist?
Die Lyrikerin Hilde Domin drückt es so aus:
„Es knospt unter den Blättern, das nennen sie Herbst.“
Darin entdecke ich den Hinweis Gottes: Du hast die Zeit, dich wie ein Baum im Herbst und Winter auszuruhen.
Aber dann setze wieder deine Talente, deine Freude, deine Kraft, dein Menschsein für das Kommen meines Reiches ein.
Das Sterben eines Blattes und die darunter steckende Knospe voller Leben weisen mich auch darauf hin, dass selbst in schwierigen Lebenssituationen, in Phasen der Traurigkeit oder Krankheit, in einem Abschiedsschmerz etwas Neues entstehen will.
In meinem schließlich letzten Loslassen, im Tod, sagt mir dieses Wunder der Natur: Tod und Neubeginn liegen eng beieinander. Auf dich wartet das ewige Leben bei Gott, das Geheimnis unseres Glaubens: „Im Tod ist das Leben.“
Darauf vertraue ich.
Heidi Kohl
Gemeindereferentin ●