
Gewinner und Verlierer

Denn es ist wieder Weltmeisterschaft und am Ende wird ein Team die Weltmeisterschaft gewinnen … und alle anderen werden verloren haben?
Ja sind die Gewinner nur schlechte Verlierer oder die Verlierer vielleicht die besseren Gewinner? Das ist gar nicht so leicht zu beantworten, denn jede und jeder von uns hat so ihren und seinen ganz eigenen Umgang mit Erfolgen und Niederlagen. Da kann es bei Projekten und Planungen sehr schnell dazu kommen, dass die sich als Sieger fühlen, deren Idee sich durchgesetzt hat. Und die, deren Idee nicht mehrheitsfähig war, stehen als Verlierer da.
Jesus zeigt uns da einen anderen Weg. Er sagt: „Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein.“ (Mk 9,35b)
Wer also wirklich Gewinner sein will, der muss wissen wie sich der letzte Platz anfühlt. Um in der Fußballsprache zu bleiben: Der muss Gras gefressen und Wassereimer getragen haben. Ein guter Gewinner freut sich über den Sieg, weiß aber auch von der Not des Verlierers, weil ihm bewusst ist, dass unter anderen Umständen auch er hätte verlieren können. Und er erhebt sich nicht über den Verlierer, sondern anerkennt dessen Beitrag zu seinem Erfolg, denn ohne Verlierer gäbe es auch keinen Gewinner. Und was wir aus dem Fußball schon lange wissen: am Ende siegt das Kollektiv. Es geht um mannschaftliche Geschlossenheit, die Tatsache, dass sich jeder mit seiner Stärke an dem Platz einbringt, wo sie den größten Effekt erzielt. Das Gleichnis vom Leib und den vielen Gliedern (1 Kor 12,12-31a) führt uns das deutlich vor Augen. Wer sich hier nicht mit in den Dienst der Sache stellt, ist am Ende für die Schwächung des Organismus verantwortlich. Miteinander Ziele zu verfolgen, gemeinsam Maßnahmen zu planen und immer wieder neu den Sachstand zu reflektieren und nicht nur auf mich und meine Situation zu schauen, ist am Ende das Geheimnis des Erfolges. Dafür müssen Gewinner gute Verlierer sein und Verlierer gute Gewinner werden. Jogi Löw hat das 2014 in Brasilien im Rückblick ziemlich optimal umgesetzt mit seinem Team. Ob es in Russland noch einmal reicht, werden wir sehen.
In unserem gemeindlichen Kontext sind wir herausgefordert den Weg in die Zukunft gemeinsam zu gehen. Jede und jeder muss sich dort einbringen, wo durch ihr oder sein Tun das Wirken des Heiligen Geistes spürbar wird. Nur so werden wir für diese Welt erfolgreich Gottes Gegenwart spürbar werden lassen jenseits der Frage, wer nun eigentlich gewonnen und verloren hat.
Wolf-Dieter Wöffler
Pastoralreferent
